Am 17. April 2013 begaben sich die SuS der AG „Schule ohne Rassismus“ zum Dunkel Café. Wer hätte gedacht, dass Informationen über eine Behinderung, pardon, eine Blindheit, der Abbau von Berührungsängsten und von Vorurteilen mit so viel Humor verbunden werden kann.

Aber eins nach dem anderen.

19 SuS meldeten sich freiwillig, um mit zwei Lehrern nach Siegen zum Dunkel Café zu fahren. Empfangen wurden wir von Jan und Ashraff, die dieses Café gemeinsam mit anderen nicht blinden Mitarbeitern betreiben.

Jan und Ashraff führten uns in drei Gruppen in den abgedunkelten Raum. Wie auf einer guten Party bildeten wir eine Polonäse, um die Bekanntschaft mit einer Tür oder Wand zu vermeiden. Nachdem wir Platz genommen hatten, stellten sich unsere Gastgeber vor. Die anfängliche zurückhaltende Stimmung wich sehr schnell den Fragen der SuS und den Anekdoten und Witzen unserer Gastgeber. Denn mit viel Humor schilderten die beiden ihren Alltag, ihre Probleme und Herausforderungen. Wer hier „Behinderte“ erwartete, die sich über ihr Leben und Diskriminierungen beklagen, der wurde sehr schnell positiv enttäuscht. Sie versicherten uns, und wir glauben ihnen das gerne, dass sie nicht nur alles machen, was auch „nicht Blinde“ machen, sondern wahrscheinlich mehr. Aber alles dauert eben etwas länger. Ashraff fährt beispielsweise Ski, ist ein leidenschaftlicher Schwimmer und vor dem 10-Meter Brett hat er keine Angst, da er „ja die Höhe nicht sehen kann“. Seine Freundin (nein, sie ist nicht blind) will und kann nicht kochen, das übernimmt dann auch Ashraff. Seinen Herd kennt er auswendig.

Auch Jan verbringt seine Zeit keineswegs damit, sich über seine Blindheit zu ärgern. Im Gegensatz zu Ahshraf, der schon blind auf die Welt kam, verlor Jan sein Augenlicht vor 10 Jahren durch einen Unfall mit Silvesterknallern. Nachdem er aus einem 4 wöchigen Koma erwachte (es folgten weitere 7 Monate Krankenhausaufenthalt), galt sein erster Gedanke….einem Döner („Ich brauch einen Döner“). Jan wollte das Beste aus seiner Situation machen und gründete das Dunkel Café.

Gemeinsam ist den beiden der Spaß in Discotheken. Hier hat Jan seine lustigsten Anekdoten zum Besten gegeben. Beispielsweise als er sich von einer Freundin verabschieden wollte. Er umarmte sie, gab ihr einen Kuss und wunderte sich über den Bart.

Nein, sie hatte keinen Damenbart, es war wohl ein fremder Mann. Oder als er auf einer Toilette unerwartet Hilfe von zwei Jugendlichen beim Urinieren bekam.

Einer Links, der andere Rechts und immer wieder Kommandos wie „Kollege, weiter links, weiter rechts, führten sie eine Zielübung durch“ erzählte uns Jan. Anschließend haben sie ihm die Hände gewaschen. Oder wie 50 Jugendliche vergeblich versuchten, ein Taxi für ihn zu suchen und schlussendlich eine private Fahrt organisierten. Im Großen und Ganzen hat er wohl positive Erfahrungen gemacht.

Ashraff, der einen ägyptischen Vater und eine deutsche Mutter hat, hat Ausgrenzung anderer Art erlebt. Beispielsweise wurde seine ehemalige Freundin, die aus Namibia stammt, als „Nigger-Schlampe“ beschimpft, oder seine Mutter als „Verräterin“. Er kann es auch nicht leiden, wenn Leute, beispielsweise Ärzte, über seinen Kopf mit seinen Begleitern über ihn reden.

Nach den Geschichten und dem Beantworten der Schülerfragen kam endlich unser Kuchen. Es wurde laut, es gab ein kleines Durcheinander, Gabeln, Teller und Schüler flogen..., aber im Ganzen war es lecker und lustig. Zum Ende las uns Ashraff in Blindenschrift einen Abschnitt vor, es ging um…worum ging es eigentlich? Das weiß wohl keiner, wie waren so erstaunt, wie schnell er liest, fragten uns, wie und woher er weiß, wie man den Text betont und und und. Aber unsere Gastgeber sagten uns schon zu Beginn: Ihr könnt uns alles fragen, es muss euch nichts unangenehm sein.

Das war es auch nicht, dank des humorvollen und offenen Umgangs unserer Gastgeber Jan und Ashraff. Wir können es nur jedem empfehlen.

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