An der Uni angekommen

Daher fuhren die drei Schülerinnen und ein Lehrer zur Uni Siegen. Das erste was einer Schülerin auffiel, war die Vielfalt („viele Chinesen und Araber hier“). Die Erklärung der Lehrkraft war, dass an der Uni alle mögliche Nationalitäten, Ansichten und Kulturen aufeinandertreffen und die Welt der Uni wahrscheinlich offener sei als die Welt außerhalb der Uni. Dass dies auch für die sexuelle Orientierung gilt, wurde uns später sehr deutlich erklärt.

An der Uni trafen wir erst Jenny, 26, die eigentlich David heißt. Sie studiert Geschichte und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Jenny führte uns in die Räumlichkeiten des Referats. Hier trafen wir auf Tobias, 26 (Geschichte und Sozialwissenschaften auf Bachelor), Finja, 22 (Biologie und Chemie auf Lehramt) und Anne (Kultur- und Sprachwissenschaften Master). Alle hatten eigentlich frei, kamen aber unseretwegen zur Uni.

Das Referat

Das Schwulen- und Lesbenreferat organisiert Veranstaltungen wie „Islam und Homosexualität“ hält Lesungen und zeigt Filme. Gegründet wurde es im Jahre 1992. Ob es einen besonderen Anlass dazu gab, wissen unsere Gastgeber nicht mehr. Im Referat hängen einige interessante Bilder, wie: “Keine Macht den Homos“ oder „Homos in die Hölle“. Diese wurden vor einigen Jahren als Provokation an der Uni verteilt. Im Nachhinein habe sich dies als keine gute Idee erwiesen. Zu sehen ist auch eine Weltkarte, aus der hervorgeht, in welchen Ländern Homosexualität eine Straftat ist und gar mit der Todesstrafe belangt wird.

In Deutschland wurde der entsprechende Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern mit Unzucht mit Tieren gleich- und damit unter Strafe stellte erst 1994 abgeschafft. Dieser Paragraph ist aus dem Jahre 1872 und wurde in der NS-Zeit noch verschärft.

Homosexuelle, die in der NS-Zeit nach diesem Paragraphen belangt wurden, hat man später rehabilitiert. Homosexuelle, die nach 1949 nach diesen Paragraphen verurteilt wurden, gelten immer noch als vorbestraft.

 

Nun zu unseren Gastgebern

Tobias bemerkte mit 16 Jahren, dass er homosexuell ist. An der Uni hat er keine negative Erfahrung gemacht, auch für seine Freunde sei das kein Problem. Außerhalb der Uni sieht das wieder anders aus. Wenn er seinen Freund in der Stadt küsst, sei es was anderes, als wenn er dies an der Uni macht. Blöde Sprüche muss er sich an der Uni nicht anhören. Als er mal mit seinem Freund und einem anderen schwulen Pärchen durch die Stadt lief, fuhr ein Auto an ihnen vorbei und die Insassen riefen „Schwuchtel“. Er habe dann Angst gehabt, dass sie wieder zurückkommen könnten. Solche Aktionen prallen nicht so einfach an ihm ab. Überhaupt sei das Wort Schwuchtel, dass viele Schüler als Beleidigung benutzen, ein Wort, dass sie wohl nicht kalt lässt. Seine Eltern hatten anfangs Probleme mit Homosexualität, da sie sehr christlich seien. In seiner Kirche werde dies immer mehr und mehr akzeptiert. Tobias berichtet uns davon, wie er mal Blut spenden wollte. Er sei zu ehrlich gewesen und habe erwähnt, dass er schwul ist. Seit dem ist er beim DRK gesperrt.

Jennys Erfahrungen sind weitaus bedrückender, dieses merkt man ihr an, wenn sie davon erzählt. Überhaupt fiel es ihnen, dies war zumindest unser Eindruck, schwer, uns von ihren Erfahrungen zu berichten, war doch vieles sehr persönlich. Jenny ist Transsexuell, dies bedeutet, er fühlt sich im falschen Körper. An der Uni ist sie auch noch unter dem Namen David immatrikuliert. Auch sie musste sich schon dumme Sprüche anhören. Beispielsweise als Praktikant in der Schule von Schülern (nur von Jungen). In der Uni ist dies seltener, aber geguckt wird auch in der Uni. Das macht ihr nichts aus, solange man sie nicht anstarrt. Als Grund für den Verlust ihrer Ausbildung vermutet sie darin ihre sexuelle Ausrichtung.

Fenja hat sehr schnell gemerkt, dass sie sowohl Jungen als auch Mädchen lieben kann. Während ihr Vater dies recht locker aufnahm und auch locker damit umgeht, war es für ihre Mutter etwas schwerer. Annes Eltern haben es einfach hingenommen.

Rollentausch

Zum Ende wurden aus den Interviewern die Interviewten. Habt ihr homosexuelle Lehrer? Habt ihr Schüler, die nicht heterosexuell sind? Darauf hatten wir keine Antwort.

Wie würdet ihr mit diesem Mitschüler oder dieser Mitschülerin umgehen? Auch auf diese Fragen konnten wir nicht mit Sicherheit antworten. Es wurde nun wild spekuliert, ob wir Mitschüler haben, die homosexuelle Mitschüler ablehnen bzw. diese sogar deswegen mobben. Wir hoffen nicht! Letztendlich können wir nur für uns sprechen.

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