Schule ohne Rassismus

Anfang Juni bekam unsere Schulleiterin Renate Setzer einen Brief von der Stadt Hilchenbach. Man beabsichtige einen Gedenkstein für die jüdischen Opfer der NS-Diktatur einzuweihen. Verbunden wurde diese Information mit der Frage, ob wir nicht Interesse hätten daran mitzuwirken. Nachdem Frau Setzer mich und Herrn Kreuz (unterrichtet Geschichte in einer 9er Klasse) darüber in Kenntnis setzte, fingen wir an regelmäßig mit Ideen zu hantieren und uns auszutauschen, wie wir uns einbringen können. Da auch das hiesige Gymnasium sich einbringen wollte, lag es nah, dass wir zusammenarbeiten.

Zugegeben, die Klasse 9a von Herrn Kreuz hatte den größeren Aufwand. Wie auf den Bildern zu erkennen ist, baute Herr Kreuz ein Davidstern. Dieser bestand aus zwei Dreiecke, die im Laufe der Veranstaltung und Vorträge zu einem Davidstern zusammengesetzt wurden. Das eine Dreieck steht für die Achtung. Achtung im doppelten Sinne, Achtung, dass solche schrecklichen Dinge nie wieder passieren und Achtung vor der Würde des Menschen. Das zweite Dreieck stand für Verantwortung und Toleranz.

Eröffnet wurde die Einweihung vom Bürgermeister Herr Peter Hasenstab. Weitere geladenen Gäste und Redner waren Herr Sander, ein Mitglied der christlich-jüdischen Gesellschaft in Siegen, Pastor Schnurr und der stellvertretende Bürgermeister, der eine Rede des israelischen Botschafters hielt.

Nach dem die Schüler und Schülerinnen der 9er Stufe ihre Vorträge beendet hatten, kam der Einsatz unserer AG-Mitglieder. Dies waren Melina F., Lea S. und Lisa W. Sie erstellen Plakate, auf denen jüdische Sprichwörter und Zitate zu sehen waren. Die Plakate wurden mit dünnen Stöcken aus dem Baumarkt fixiert, damit sie wie Transparente in die Luft gehalten werden können.

Folgendes war auf den Plakaten zu lesen:

  • Wir sind nicht nur für das verantwortlich was wir machen, sondern auch für das, was wir nicht machen.
  • Wer auch nur einen Menschen das Leben rettet, wird belohnt, als hätte er die ganze Welt gerettet.
  • Wirklich tot sind nur jene, an die sich niemand erinnern.
  • Respektiere dich selber, respektiere andere und übernimm Verantwortung für das was tu tust.

Die Stadt Hilchenbach bzw. die Initiatoren waren besonders darüber erfreut, dass so viele Schüler an dieser Aktion teilgenommen haben.

An der Uni angekommen

Daher fuhren die drei Schülerinnen und ein Lehrer zur Uni Siegen. Das erste was einer Schülerin auffiel, war die Vielfalt („viele Chinesen und Araber hier“). Die Erklärung der Lehrkraft war, dass an der Uni alle mögliche Nationalitäten, Ansichten und Kulturen aufeinandertreffen und die Welt der Uni wahrscheinlich offener sei als die Welt außerhalb der Uni. Dass dies auch für die sexuelle Orientierung gilt, wurde uns später sehr deutlich erklärt.

An der Uni trafen wir erst Jenny, 26, die eigentlich David heißt. Sie studiert Geschichte und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Jenny führte uns in die Räumlichkeiten des Referats. Hier trafen wir auf Tobias, 26 (Geschichte und Sozialwissenschaften auf Bachelor), Finja, 22 (Biologie und Chemie auf Lehramt) und Anne (Kultur- und Sprachwissenschaften Master). Alle hatten eigentlich frei, kamen aber unseretwegen zur Uni.

Das Referat

Das Schwulen- und Lesbenreferat organisiert Veranstaltungen wie „Islam und Homosexualität“ hält Lesungen und zeigt Filme. Gegründet wurde es im Jahre 1992. Ob es einen besonderen Anlass dazu gab, wissen unsere Gastgeber nicht mehr. Im Referat hängen einige interessante Bilder, wie: “Keine Macht den Homos“ oder „Homos in die Hölle“. Diese wurden vor einigen Jahren als Provokation an der Uni verteilt. Im Nachhinein habe sich dies als keine gute Idee erwiesen. Zu sehen ist auch eine Weltkarte, aus der hervorgeht, in welchen Ländern Homosexualität eine Straftat ist und gar mit der Todesstrafe belangt wird.

In Deutschland wurde der entsprechende Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern mit Unzucht mit Tieren gleich- und damit unter Strafe stellte erst 1994 abgeschafft. Dieser Paragraph ist aus dem Jahre 1872 und wurde in der NS-Zeit noch verschärft.

Homosexuelle, die in der NS-Zeit nach diesem Paragraphen belangt wurden, hat man später rehabilitiert. Homosexuelle, die nach 1949 nach diesen Paragraphen verurteilt wurden, gelten immer noch als vorbestraft.

Weiterlesen: gay@uni

Am 17. April 2013 begaben sich die SuS der AG „Schule ohne Rassismus“ zum Dunkel Café. Wer hätte gedacht, dass Informationen über eine Behinderung, pardon, eine Blindheit, der Abbau von Berührungsängsten und von Vorurteilen mit so viel Humor verbunden werden kann.

Aber eins nach dem anderen.

19 SuS meldeten sich freiwillig, um mit zwei Lehrern nach Siegen zum Dunkel Café zu fahren. Empfangen wurden wir von Jan und Ashraff, die dieses Café gemeinsam mit anderen nicht blinden Mitarbeitern betreiben.

Jan und Ashraff führten uns in drei Gruppen in den abgedunkelten Raum. Wie auf einer guten Party bildeten wir eine Polonäse, um die Bekanntschaft mit einer Tür oder Wand zu vermeiden. Nachdem wir Platz genommen hatten, stellten sich unsere Gastgeber vor. Die anfängliche zurückhaltende Stimmung wich sehr schnell den Fragen der SuS und den Anekdoten und Witzen unserer Gastgeber. Denn mit viel Humor schilderten die beiden ihren Alltag, ihre Probleme und Herausforderungen. Wer hier „Behinderte“ erwartete, die sich über ihr Leben und Diskriminierungen beklagen, der wurde sehr schnell positiv enttäuscht. Sie versicherten uns, und wir glauben ihnen das gerne, dass sie nicht nur alles machen, was auch „nicht Blinde“ machen, sondern wahrscheinlich mehr. Aber alles dauert eben etwas länger. Ashraff fährt beispielsweise Ski, ist ein leidenschaftlicher Schwimmer und vor dem 10-Meter Brett hat er keine Angst, da er „ja die Höhe nicht sehen kann“. Seine Freundin (nein, sie ist nicht blind) will und kann nicht kochen, das übernimmt dann auch Ashraff. Seinen Herd kennt er auswendig.

Weiterlesen: Dunkel Cafe

Am 13. März 2013 lud die AG „Q-Rage-Füchse“ zwei Asylbewerber aus unserer Stadt ein. Die beiden Asylbewerber T. und A. hatten für uns zugleich interessantes und schockierendes zu berichten.

T. kommt ursprünglich aus Pakistan und musste aufgrund seiner Religion, Ahmedina, seine Heimat verlassen, da diese Minderheit dort verfolgt und ermordet wird. Eine justizielle Verfolgung droht den Mördern nicht, die Ahmedinas sind quasi vogelfrei. Seine Religion musste er im Verborgenen ausüben, hat jemand erfahren, welcher Religion er angehört, wurde er in der Schule, in der Uni oder von Bekannten ausgegrenzt. Die Reise nach Deutschland kostete seine Eltern umgerechnet 14.000 Euro. Glücklicherweise hat er reiche Eltern. Allerdings nicht reich genug, denn nun müssen sie sparen, um ebenfalls das Land verlassen zu können. In seiner Heimat habe er alles gehabt, Geld, ein Handy, ein Fahrrad, aber keine Freiheit oder Sicherheit. Hier habe er diese materiellen Dinge nicht, aber seine Sicherheit und Freiheit waren ihm das wert.

A. dagegen musste Guinea aus politischen Gründen verlassen. Was bei uns selbstverständlich ist, wurde ihm zum Verhängnis. Er demonstrierte gegen die Machtansammlung weniger und forderte eine Verteilung der Macht im Land. Daraufhin wurde er verhaftet und gefoltert. Durch Hilfe seiner Mutter und ihren politischen Freunden gelang ihm die Flucht. Die Folter hat Spuren hinterlassen, sein linkes Bein kann er nicht ganz beugen. Er sah mit an, wie ein Taxifahrer erschossen wurde. Warum? Er weigerte sich die Soldaten zu bezahlen. Sie verlangten, obwohl er eine Beförderungslizenz hatte, eine „Gebühr“.

Beide leben im Ungewissen, denn nach dem sie die Behörden von ihrer Verfolgung überzeugt hatten, müssen sie auf die Entscheidung warten. Hier bleiben, in Sicherheit und Freiheit oder zurück?

Nach der Befragung vereinbarten die SuS mit den beiden Gästen ein Treffen im Jugendzentrum. So könnten die beiden ihre erworbenen Sprachkenntnisse in der Praxis testen und die SuS ihre Englischkenntnisse verbessern.

Wer viel und hart arbeitet, muss natürlich auch essen. Wer auch noch freiwillig viel und hart arbeitet und sich sozial engagiert, während die Mitschüler schon zuhause sind, muss sehr gut essen. Dafür sorgen Lena S. und Laura K. Die Idee war die Mitschüler wöchentlich mit Gerichten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu verwöhnen. Die beiden Schülerinnen planten, kauften ein, sammelten das Geld ein, kochten, machten sauber und verteilten das Essen unter den Mitschülern.

Es sollten aber nicht nur die Mitschüler davon profitieren, sondern auch Herr Belz. Herr Belz besetzt mittwochs, während unserer AG Zeit, mit seinem Informatikkurs den PC-Raum. Allerdings müssen auch wir die eine oder andere Mail schreiben, etwas ausdrucken usw. Wir sind uns sicher, er würde uns auch ohne Essen in den PC-Raum lassen, aber eine kleine Bestechung kann da nicht schaden. Hat er eigentlich auch schon vorher unsere Mails auf Fehler hin gelesen und korrigiert? Bestimmt! Ist schon praktisch einen Lektor, sorry, einen Deutschlehrer in der Nähe zu haben. Und das nur für einen kleinen Happen.

Weiterlesen: Internationale Küche

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